Allen Sinnen alles - Weindorf Laufen

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Allen Sinnen alles

Wein & Kultur
Zur Kulturgeschichte des Weinbaus im Markgräflerland
Der „Wein“ ist Ausdruck einer Kultur der Lebensfreude, Geselligkeit und Entspannung und eines Lebensgefühls, das die Schönheit des Daseins wahrnimmt und die Schöpfung achtet und liebt.
Vina Parant Animos
Wein macht das Herz bereit.
(Ovid, Liebeskunst  I, 237)

Vinum vires (Wein gibt Kräfte), in vite vita (in der Rebe wohnt das Leben), vita fruere (genieße das Leben, trink und lebe schön immerdar)  sind Trinksprüche auf römischen Bechern, zusammengefasst und noch heute gültig in dem einfachen Wörtchen „Prosit". Wir sagen es täglich und zum Teil verstümmelt ("Prost"), ohne uns darüber klar zu werden, was die Sprache des antiken Abendlandes damit ausdrücken wollte, denn Prosit heißt: „Es möge dir nützen!". Diesem Wortsinn entspricht auch, was man sich im Markgräflerland beim Zuprosten sagt: "G´sundheit" oder "Zuem Wohl"

Mit dem römischen Militär hielten einst Trinkbecher, Kelch und Wein vielfachen Einzug auch in ins Markgräflerland, unsere südwestlichste Region des heutigen Deutschland. Und spätestens, als nach dem Germanensturm (die Germanen tranken kaum Wein) und der Vertreibung der Römer die Klöster den Wein retteten, bekamen wir aus dem Imperium Romanum die weinbauliche und kellerwirtschaftliche Fachsprache:
vinum  > Wein, vinitor  > Winzer / Wengerter, mustum  > Most
torcular  > Torkel, calcatura > Kelter, pressa  > Presse
vas  > Fass, cupa  > Kufe, cuparius  > Küfer
calix > Kelch, bicarium  > Becher
...

St.Urban und der Wein


St.Urban I.
(222 - 230)



Essay von R.Herterich)   
Und wenn es euch wie mir ergeht, so betet, dass der Wein gerät,
ihr Trinker insgemein!
O heil'ger Urban, schaff uns Trost, gib heuer uns viel edlen Most,
dass wir dich benedein!"
(Ludwig Uhland)
Rebleutezünfte und Winzerbruderschaften trafen sich einst in St.Urbans Namen. Diese Bruderschaften waren zu jener Zeit sowohl soziale Solidargemeinschaften als auch religiöse Korporationen, manchmal auch Standesbehörden und auch eine Art untere Aufsichtsbehörde für den Weinbau. Viele dieser Bruderschaften fanden mit der Reformation ein Ende und zuletzt 1783 mit einem Edikt des aufklärerischen Habsburgers Joseph II. ein Ende.
Die Tradition dieser Urbansbruderschaften lebt allerdings auf das Genießerische reduziert in den heutigen Weinbruderschaften fort.
Historische Wurzeln der Weinbruderschaften finden sich bei den Urbansgesellschaften und im Urbanskult. Neben den lokalen und regionalen Weinpatronen gilt St.Urban (Ponifikat im 4.Jh. als Urban I.) als der eigentliche Schutzpatron des Weinstocks und des Winzers. Eine einleuchtende Erklärung für den Urbanskult findet man in dem im Mittelalter geltenden Recht: Dieses sprach den Ertrag eines Ackers oder Weinbergs dem zu, der das Feld bis zur Aussaat bestellt hatte. Als Lostag galt der Sommeranfang, der am Urbanstag, dem 25.Mai, begann. Im Landrecht des Sachsenspiegels (um 1222) finden wir hierzu: "Am Sankt Urban sind Weingarten- und Baumgartenzehnt verdient." Der Urbanskult begann mit Flurprozessionen und Bittgebeten für das Gedeihen der Reben. In der zweiten Hälfte des 13.Jh. häufen sich schriftliche Quellen, die von Schmausereien, Kinderfesten, Heischebräuchen aber auch Bruderschaften berichten.


Brunwart von Augheim
Die Brunwart-Miniatur
des Codex Manesse, um 1300
(Johannes) Brunwart von Augheim (Ǒghein, Oughein, Ougheim, Ouchein; Auggen), ca. 1250 bis ca. 1300 (urk. 1263–1296), war Ritter, Minnesänger und Schultheiß von Neuenburg in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.
Der Stammsitz des Geschlechtes, dem Brunwart angehörte, ist  Augheim (jetzt Auggen) im Markgräflerland.

Brunwart kommt 1286 als Lehensmann des Markgrafen Heinrich von Hochberg, zehn Jahre später in einem Vergleich zwischen dem Bischof Konrad von Straßburg und der Stadt Freiburg vor. In Stil und Gedanken nähern sich seine Gedichte dem älteren Minnesang.

A
ls her Brunwart von Ǒughein fand er mit fünf konventionell zu nennenden höfischen Minneliedern Eingang in die Große Heidelberger Liederhandschrift des frühen 14. Jahrhunderts (Codex Manesse).
Brunwart von Augheim, 13.Jh. - Schowent Uf die Grüenen Heide (Eric Boulanger)
Brunwart von Augheim, 13.Jh. - Willekommen si der Sumer Schoene (Eric Boulanger)
Die Herren Brunwart von Ǒghein waren ein seit 1130 als Ministerialen der Markgrafen von Hachberg nachweisbares Rittergeschlecht zu Neuenburg am Rhein, wo mehrere seiner Glieder das Schultheißenamt ausübten. Ihren ländlichen Stammsitz, Burg und Grundbesitz, hatte die Familie bis 1272 in Ǒghein (Ǒkhein, Ǒchhein), Auggen. Der bedeutendste unter ihnen war Johannes Brunwart, der zwischen 1272/73 und 1283, soweit urkundlich belegbar, Schultheiß von Neuenburg war. Seine Spuren findet man auch als Zeuge, Aussteller bzw. Siegler von mehreren Urkunden, auch nach seiner Amtszeit und bis ins Jahr 1296, in denen er als Brunwardus miles de Ouchein, her Brunwart von Ǒghein, ritter bzw. Johans Brunwart ein ritter von Ǒkein namhaft wird.
Sein Geburtsjahr ist nicht bekannt, ebenso wenig sein Todesjahr. Lediglich sein Todestag, ein 11. März, ist durch einen Eintrag im Totenbuch der Neuenburger Johanniter belegt, deren Wohltäter er war und auf deren Friedhof er wahrscheinlich auch begraben wurde.

Lazarus von Schwendi
Lazarus von Schwendi erblickte das Licht der Welt in Mittelbiberach (Schwaben) als Sohn des Ruhland v. Schwendi. Schon 3 Jahre später starb der Vater. Als Vormund und Testamentsvollstrecker hatte er den Rat der Stadt Memmingen bis zum 24. Lebensjahr seines Sohnes eingesetzt. Dieser Stadtrat schickte den noch jugendlichen Lazarus zur Universität nach Basel, wo er unter der Autorität des Humanisten Oecolalampadius und des Gelehrten Grynaeus mit grossem Eifer dem Studium der Künste und Sprachen nachging. Schon mit 13 Jahren zog Schwendi nach Strassburg, wo er Jura und weitere Sprachen studierte, und so seine Laufbahn als Diplomat vorbereitete. Schwendi wurde später Diplomat, Staatsmann und General in Diensten der Kaiser Karl V und Maximilian II.
Von 1564-1568  sandte der Kaiser den bewährten Kriegsmann an der Spitze eines Expeditionskorps nach Ungarn, um die das Reich bedrohenden mit dem König von Frankreich verbündenten Türken zurück zu drängen. Im Winter 1565 belagerte er die Feste TOKAY, welche er am 11. Februar im Sturme eroberte. Unter der reichen Beute befanden sich auch 4000 Fässchen " Tokayer".
1568 zog sich SCHWENDI aus dem aktiven Dienst zurück und betreute nun seine im Rheintale erworbenen Besitzungen : BURKHEIM (1559) - TRIBERG (1563) - Die Herrschaft HOHLANDSBERG mit der Stadt KIENTZHEIM, den Dörfern SIGOLSHEIM, INGERSHEIM, KATZENTHAL, und LOGELHEIM - die Hälfte der Städte TURCKHEIM und AMMERSCHWIHR - zur Hälfte auch die Dörfer NIEDERMORSCHWIHR und WINTZENHEIM (1564) - KIRCHHOFEN (1572). Im Jahre 1573 erhielt SCHWENDI die Vogtei KAYSERSBERG. Der Schlossherr bewohnte gewöhnlich seine Residenz Kientzheim, verwandte jedoch auch 12900 fl. für sein Schloss in Burkheim.
Bedeutung  für den Weinbau hatte er in seiner Stellung als sozial denkender Landjunker, der Spitäler stiftete, Frondienste regelte und Zunftordnungen erließ. Er ließ die rechtlichen Überlieferungen in seinen Ländereien sammeln und in den „Schwendischen Ordnungen“ festhalten.
Im Mai 1583 starb Lazarus von Schwendi in seinem Schloss in KIRCHHOFEN und wurde in der Pfarrkirche in KIENTZHEIM beigesetzt, wo sein Grab bis heute erhalten ist (rechts vor der Chortreppe). Sein Standbild ist auf der linken Seite in der Mauer eingelassen.

 (Bild links: Epitaph in der Stadtkirche von Kientzheim)

Trinkordnung nach Lazarus von Schwendi (Rolf Maurer)        




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Johann Peter Hebel
Der "Jerusalem-Stein" in Mauchen



... erinnert an eine Parabel von Johann Peter Hebel: "Der schlaue Pilgrim"
(Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes, 1811)


"Wie weit ist es noch nach Jerusalem?
Siebenhundert Stunden; aber auf dem Fußweg über Mauchen
ist es eine Viertelstunde näher."
(Johann Peter Hebel)

Ein schönes Beispiel dafür, wie Hebel seine Schriften zur sozial-ethischen Erziehung und Bildung regional verortete.
Hier nennt er "Mauchen", "Mühlheim an der Post" (Hotel Alte Post in Müllheim), das "Posthaus in Krotzingen" (Bad Krozingen) und den "Baselstab in Schliengen" (ein Wirtshaus).

J.P.Hebel, "Der schlaue Pilgrim"

Die "Alte Post" in Müllheim hat Hebel in seinem Gedicht "Der Schwazwälder im Breisgau" poetisch verewigt:

"Z Müllen an der Post,
Tausigsappermoscht!
Trinkt me nit e guete Wi!
Goht er nit wie Baumöhl i,
z'Müllen an der Post!"

Z'Bürglen uf der Höh,
nei, was cha me seh!
O wie wechsle Berg und Tal,
Land und Wasser überall,
z'Bürglen uf der Höh!

J.P.Hebel, "Der Schwarzwälder im Breisgau"
Der Schwarzwälder im Breisgau (J.P.Hebel)
Z Mülle an der Poscht
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Schloss Bürgeln
Johann Peter Hebel
* 10.Mai 1760 (Basel)
+ 22. Sept. 1826 (Schwetzingen)



Hebel prägte wie kaum ein anderer Literat die Menschen des Markgräflerlandes.
In den alemannischen Gedichten stellte Hebel Lebensart, Landschaft und Dialekt seiner Heimat dar. Berühmte Dichter wie Jean Paul (1803) und Johann Wolfgang von Goethe (1804) schrieben Rezensionen über die Gedichte.
Hebels zweites bekanntes Werk sind seine Kalendergeschichten, die er ab 1803 für den "Badischen Landkalender" und ab 1807 für den "Rheinländischen Hausfreund" verfasste.
Ab 1811 erschien eine Sammlung der interessantesten Kalendergeschichten, "Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes". Franz Kafka erklärte dies zu seinem Lieblingsbuch.
Es zählt zweifellos zur Weltliteratur - ein Klassiker deutscher Sprache und Dichtung.
Die bekanntesten Kalendergeschichten Hebels sind wohl "Kannitverstan" und "Unverhofftes Wiedersehen". Ernst Bloch nannte diese "die schönste Geschichte der Welt".

Hebels Heimat, das obere Markgräflerland, prägte sein Leben, sein Werk, seinen Aufstieg vom früh verwaisten Dorfbuben zur Identitätsfigur im Großherzogtum Baden. Er ist zeitlebens eng mit ihr verbunden, in ihrer alemannischen Sprache schrieb er seine Gedichte.

 J.P.Hebel "Unverhofftes Wiedersehen"
 J.P.Hebel "Kannitverstan"
"Hebel war kein „Heimatdichter“ im heute geläufigen Sinn. Er hat „den Dialekt dichterisch gemacht“, wie Carl Jacob Burckhardt es formulierte, als er versuchte, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, das diese zauberhaften Miniaturen des Oberlandes so anders macht als die Tausend gefühlvollen Reime, die seither in der Dialektliteratur entstanden sind.
Zu Hebels Vermächtnis gehören nicht nur die liebenswerten alemannischen Gedichte, sondern auch jene wunderbar einfachen und doch tief philosophischen Kalendergeschichten, die die Menschen mit ihren Listen und Lastern, Schwächen und Tugenden so treffend porträtieren und deren Moral stets von der noblen Ethik eines aufklärerischen Vernunftchristentums gekennzeichnet ist.

Die Briefe, die Hebel an seine Vorgesetzten und Freunde schrieb, zeigen uns einen bescheidenen, hochsensiblen, fröhlichen aber auch melancholischen Menschen und einen humorvollen Erzähler. Seine alemannischen Gedichte aber haben der badischen Landschaft zwischen Todtnau und Basel ein unvergängliches Denkmal in der deutschen Dichtung gesetzt."
(Rüdiger Herterich, der vormalige Chronist
der Ersten Markgräfler Weinbruderschaft schrieb dies über Hebel)


... hier der ganze Text
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Tobias Hermann
Tobias Hermann war in den Jahren 1749 bis 1793 Vogt in Laufen - und Eigentümer schöner Weingärten.

Auf Empfehlung von Geheimrat Karl-Friedrich Wielandt beauftragte der Markgraf von Baden den Laufener Vogt als eine frühe Art
Weinbauberater, die Orte zu bereisen, in denen der Weinbau darnieder lag. Begleitet von dem Obervogt und Geheimrat Wielandt, der einige Zeit im Oberamt Badenweiler-Müllheim Amtsverweser war, zog man "in feierlicher Runde" von Weinort zu Weinort, um die Rebleute zu belehren.

Hermann meinte, dass sie im Markgräflerland weitaus weniger Fehljahre und mehr Weinertrag hätten und regte also im Bezirk Pforzheim die gleiche Pflanzmethode wie im Oberland an, was auch von den dortigen Winzern dankbar aufgenommen wurde.

Es wurden neue Anlagen geschaffen, Gräben nach der Reihe gezogen und im Frühjahr die Setzlinge bis eineinhalb Schuh (45 cm) Tiefe und auf den Abstand von dreieinhalb Schuh (1,05 m) gelegt, diese mit verwitterter Erde bis zu den obersten Augen zugedeckt und bei weiterem Aufschießen im Frühjahr mit geschickter Beschneidung ohne einen sackartigen Kopf am Hauptstamm ansetzen zu lassen, fortgefahren, bis im 4. Frühjahr die Tragbarkeit einsetzte.

Der Markgraf war so beeindruckt, dass er dem Vogt Tobias Hermann von Laufen die Goldene Medaille überreichen ließ.

Dr.Walter Fauler: Der Vogt Tobias Hermann von Laufen und die Goldene Medaille.
         Der Beginn der Veredelung des Weinbaus in den badischen Landen


Johannes Konrad
Johannes Konrad - ein Laufener Küfer und Winzer um die Jahrhundertwende vom 18. zum 19.Jahrhundert - ging als 24-Jähriger am 28. Dezember 1804 als Küfergeselle auf Wanderschaft ,  bevor er dann die Küferei in der 'Oberen Holzgasse' in Laufen betrieb.

Zwischen 1730 und 1820 wurde den zünftig gebundenen Wandergesellen bei der Beendigung längerer Arbeitsperioden an größeren Orten die 'Kundschaft', eine gedruckte, mit gestochener Ortsansicht versehene Urkunde, als Nachweis für Arbeitszeit und Wohlverhalten ausgehändigt. Ohne eine solche konnte er im nächsten Ort kaum Arbeit finden. Während seines Verbleibs in einer örtlichen Werkstatt verblieb die Kundschaft in der Zunftlade bis zum ordnungsgemäßen Abschied.
Wanderbrief
Seine 'Reise' als 'Handwerksgeselle' begann er, wie es damals im Markgräflerland üblich war, am 'Bündeles-Tag', dem 26. Dezember (Stephanstag) im Jahr 1804 bei einem Zunftmeister in der Stadt Basel.
Davon zeugt seine 'Kundschaft' - ein Wanderbrief, der unten seine Personalien ausweist und  im oberen Teil einen Stich der Stadt Basel zeigt. Auf der Rückseite befinden sich Bescheinigungen und Zeugnisse seiner jeweiligen Meister, bei denen er gearbeitet hatte. Seine Handwerksreise als Küfer beendete er 4 Jahre später als Küfermeister in der Spitalkellerei in Straßburg.

Die Pflicht zur Wanderschaft der Gesellen war erst in nachmittelalterlicher Zeit in bestimmten Zünften, aber längst nicht in allen, als ein Teil des vorgeschriebenen Ausbildungsweges eingeführt worden und war teilweise auch Voraussetzung, um den Meistertitel zu erlangen. Seit dem Beginn der frühen Neuzeit war die Wanderpflicht der Gesellen von den Zünften in den Wanderordnungen festgeschrieben worden. Dabei war auch auf Wissens- und Technologietransfer gezielt. Die Wanderung bildete außerdem ein Steuerungsinstrument am Arbeitsmarkt. Die Meister konnten die Beschäftigung flexibel gestalten, und sie eröffnete den Gesellen Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die Gesellenwanderungen können als eine migratorische Suche nach Arbeitsmarktchancen, Familienbildung und Sesshaftigkeit, aber auch als Instrument der Persönlichkeitsbildung verstanden werden.
Die Nachfahren des Johannes Konrad betreiben am alten Ort seiner 'Konrad-Küferei' das 'Weingut Rainer Schlumberger'.
Auch das Laufener 'Weingut Schlumberger-Bernhart' wird von Nachkommen geführt.
Die Badische Weinkönigin 1957-58 Hildegund Schlumberger und die  Deutsche Weinkönigin 2015-16 Josefine Schlumberger entstammen ebenfalls seiner Familie.
Und auch der Autor dieser Webseite.



Adolph Blankenhorn
Der Müllheimer Winzersohn Adolph Blankenhorn wurde am 6.Juni 1843 in Müllheim geboren. Seine Familie rodete, als er zur Welt kam, am Ihringer Winklerberg das Gelände für das Weingut Blankenhornsberg.  
Zunächst studierte Adolph Blankenhorn Naturwissenschaften, danach erhielt er einen Lehrauftrag für Weinbau an der ‚Technischen Hochschule‘ in Karlsruhe. Schon damals forderte er vehement ein ‚Staatliches Weinbauinstitut‘, was die Regierung in Karlsruhe  aber ablehnte. So gründete er im Jahre 1868 sein önologisches Institut in der badischen Residenzstadt und richtete das bei seiner Geburt angelegte Familiengut 'Blankenhornsberg' als Versuchsstation ein.
Blankenhorn-Denkmal auf dem alten Friedhof in Müllheim
Lange vor dem Auftreten der Reblaus auf unserer Seite des Rheins experimentierte Adolph Blankenhorn mit Bekämpfungsmethoden. So betrieb er auch die Zucht resistenter amerikanischer Wildreben und Hybriden voran.  Der nach der gescheiterten badischen Revolution nach Amerika ausgewanderte Freiheitskämpfer Friedrich Hecker  versorgte ihn dabei mit Rebsamen.
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts bestand in den Markgräfler Rebbergen noch immer der mittelalterliche Mischsatz, es wurde dabei nur sehr grob zwischen einzelnen Weinarten unterschieden. Der badische Weinbau befand sich also damals in einer wenig zufriedenstellenden Lage: Kleine Parzellen, Nebenerwerbsbetriebe und wenige Massenträger bestimmten das Bild. Die Bodenbehandlung entsprach nicht den Bedürfnissen der Rebpflanzen.
Diesen Bedingungen standen die Erkenntnisse der Naturwissenschaften gegenüber. Es war Adolph Blankenhorn, der mit Hilfe von Markgräfler Winzern diese Erkenntnisse in die Praxis umsetzte. Diese gezielte Zusammenarbeit war gleichsam der Beginn des modernen Weinbaus in Deutschland. Näheres geht aus den Briefwechseln hervor, deren Originale sich im Archiv des Staatlichen Weinbauinstituts in Freiburg befinden.
Blankenhorns Schreibtisch
Blankenhorns Experimentalpresse
Schreibtisch Blankenhorns
im Markgräfler Museum Müllheim
Versuchspresse Blankenhorns
im Markgräfler Museum Müllheim
Es kam nun auch die Zeit, in der erste Sektmarken zur Prüfung angestellt wurden. 1847 stellte in Überlingen die Sektkellerei Hieber aus Freiburg „moussierenden Markgräfler“ an. 1889 wird die Sektkellerei Euler & Blankenhorn in Müllheim aufgeführt.
Blankenhorn selbst bezeichnete Personen, die mehrmals mit ihm in fachlichem Kontakt standen, als seine Mitarbeiter, die er oft mit Foto in seiner Sammlung veröffentlichte. Die Ziele der Zusammenarbeit gehen aus einem Vortrag zur Buchführung hervor, den Blankenhorn im März 1867 in Müllheim hielt. Er fordert die Markgräfler Winzer auf, sich mit den wissenschaftlichen Grundlagen vertraut zu machen. Diese Winzer waren dann auch seine Lieferanten von Pflanzen- und Bodenproben, später kamen auch noch Most-, Wein- und Hefeproben dazu. Auch konnten die Winzer ein „Praktikum“ in Karlsruhe absolvieren, um Zucker, Säure und Alkohol bestimmen zu können. Jedoch wollte Blankenhorn, dass „seine Winzer“ die Untersuchungen auch zuhause vornehmen konnten. Dafür mussten jedoch die notwendigen Geräte beschafft werden. Blankenhorn empfahl ihnen, vor allen Dingen ein Mikroskop anzuschaffen. Er wollte eine durchgehende Behandlung von den Rebanlagen bis zum fertigen Wein.
Es tauchen dabei auch heute noch in der Region geläufige Namen auf. Dies waren in Auggen Johannes Martin und Johann Georg Gugelmeier, Fritz Krafft, Ernst Friedrich Kurz und Ludwig Muser. Aus Müllheim gehörten Franz Xaver Baumgartner, Ernst und Hermann Blankenhorn, Fritz Heidenreich, Ernst Lehnert, Maximilian Wechsler und Ludwig Adolf Söhnlin dazu. In Bezug auf Hügelheim waren es Emil Marget, Ernst Friedrich und Gustav Friedrich Meyer. Ein weiterer Schwerpunkt lag im Raum Laufen / Sulzburg mit den Namen Johann Friedrich Eckerlin, Max Kaltenbach, Ernst Friedrich Ludwig, Albert Schilling und Eduard Steinhaeussler.
Mrakgräfler Winzer bei Blankenhorn
In Wien wurde 1873 die „Internationale ampelographische Kommission“ gegründet, bereits 1874 hatte sie 355 wirkliche „Varietäten“ erfasst. Ergebnis dieser Arbeiten war ein „Handbuch der Ampelographie.“

1874 begründete Adolph Blankenhorn mit anderen den Deutschen WeinbauVerein, dessen Vorsitzender er bis ins Jahr 1893 war. Weltweite Beachtung fanden seine "Annalen der Oenologie". Er war ein Mann von einer ausgeprägten sozialen Gesinnung und ruinierte seine Gesundheit für die Belange des Winzerstands. Seine kostbare Bibliothek - die fast alle Weintitel bis 1800 umfasst - wird heute im Staatlichen Weinbauinstitut in Freiburg gehütet, sein Schreibtisch steht im Markgräfler Museum in Müllheim.

Groß war auch der Fortschritt in der Kellerbehandlung der Weine. Um 1900 kauften zwar einige Weinhandlungen Wein auf, die meisten Winzer kelterten aber selber und verkauften den jungen Most oder Wein noch in den Herbstmonaten. Der Fassvorrat reichte bei mehreren guten Weinjahren hintereinander nicht aus. Die meisten Trotten bestanden aus Eichenholz, manchmal auch die Spindeln.. Mit Seilwinden wurde unter Zuhilfenahme von Schraubengewinden der hölzerne Druckkörper auf die Maische gedrückt, der Traubensaft ausgepresst, aus dem Bottich mittels „Bücki“ (Rückentrage, Inhalt 40 Liter) in die Fässer im Keller umgefüllt, wo sich dann die Gärung vollzog.
In diese Zeit zwischen dem Ende der napoleonischen Kriege und der zweiten Reichsgründung 1871 fielen das Aufkommen der Edelsorten und ihr getrennter Ausbau. Hierbei erwarb sich der 1810 gegründete ‚Badische Landwirtschaftliche Verein‘ große Verdienste. Weitere Verbände, darunter der ‚Oberbadische Weinbauverein‘, entstanden nach der Reichsgründung. 1872 entstanden regionale Weinmärkte wie der Müllheimer Weinmarkt, der alljährlich im Frühjahr stattfindet. Er wurde am 7. Dezember 1872 erstmals im Rathaussaal ausgerichtet und ist inzwischen der älteste deutsche Weinmarkt. Doch ist er nicht nur als Fachmesse beliebt, immer wieder zieht er zahlreiche Weinfreunde und Weingenießer in seinen Bann, die es sich nicht nehmen lassen, die Markgräfler Gewächse zu verkosten.
Adolph Blankenhorn war nicht nur Wissenschaftler, sondern auch ein Mann von einer ausgeprägten sozialen Gesinnung und ruinierte seine Gesundheit für die Belange des Winzerstands. In der Zeit um 1880 erkrankte er schwer und verbrachte seine letzten Lebensjahre am Bodensee, hoffte er doch, noch einmal zu gesunden. Dieser Wunsch sollte sich jedoch nicht erfüllen. Adolph Blankenhorn verschied am 7. Januar 1906 in Konstanz an einer Herzlähmung, noch vor Vollendung seines 63. Lebensjahres.


Gustav Weil
1836  erfolgt in Tübingen Weils Promotion mit seinem in Buchform vorliegenden Werk über Zamasharis 'Goldene Halsbänder'. 1838 bis 1841 arbeitet er an seinem großen Werk, eine aus dem arabischen Urtext übersetzte Fassung der arabischen Erzählungen aus "Tausend und eine Nacht". Eine weitere umfängliche  Arbeit Weils war eine Lebensgeschichte Mohammeds und verfasste eine "Historisch-kritische Einleitung in den Koran". Sein umfassendstes Werk ist eine Geschichte der Chalifen in drei Bänden (1846-1851).
1845 wird Gustav Weil als erster Jude in Deutschland außerordentlicher Professor für orientalische Sprachen. Am 7.August 1861 wird Gustav Weil nach persönlicher Entscheidung von Großherzog Leopold - gegen den Entschluss der Fakultät - endlich zum ordentlichen Professor ernannt. Weil erfährt in der Folgezeit aber Anerkennung und hohe Auszeichnungen, wird 1884 "Hofrat" und ist Mitglied in wissenschaftlichen Gesellschaften im In- und Ausland. Zuletzt lebt er bei Freunden in Badenweiler in der "Villa Hedwig" des damaligen Bürgermeisters Krautinger. Gustav Weil stirbt am 19.August 1889 und findet auf dem israelitischen Friedhof seine Ruhestätte. An ihn erinnern in Sulzburg sein Geburtshaus und ein Straßenname.
[Literaturhinweis: Kunst, Thermen Wein. Entdeckungsreisen durch das Markgräflerland (D.Philipp, J.Grosspietsch, A.Herbener, R.Rubsamen), Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2006]
G.Weil: Tausend und eine Nacht
Gustav Weils Koran-Einleitung
Gustav Weil, der Übersetzer der arabischen Erzählungen aus "Tausend und einer Nacht" ins Deutsche, kam am 25.April 1808 in Sulzburg zur Welt als ältestes Kind von Babette und Gottschalk Weil, Vorsteher der jüdischen Gemeinde.
Gustav Weil beschreibt seine Jugendzeit so: "Bis zuende meines zwölften Jahres besuchte ich die dortige Ortsschule, ... außerdem noch den Privatunterricht des dortigen Stadtpfarrers Gerwig. Im Jahre 1820 nahm mich mein Großvater, Consistorialrabbiner in Metz,  zu sich, ... um mich selbst zu unterrichten." Der Dreizehnjährige besucht auch das dortige Lyzeum. 1826 studiert er in Mannheim, danach (1828-1830) in Heidelberg. Er entdeckt in dieser Zeit neben dem Studium der Theologie seine Vorliebe für die Philologie und besonders für orientalische Sprachen. Nach kurzem Studium in Paris macht er sich zu einer Reise nach Algier auf, reist aber bald über Alexandria nach Kairo. Hier und in Konstantinopel erlernt er mit der ihm eigenen Gründlichkeit weitere Sprachen: Türkisch, Arabisch, Persisch, Syrisch. Weil schreibt für den Stuttgarter Verleger Cotta (Augsburger Allgemeine Zeitung), für den u.a. auch Heine korrespondiert, Aufsätze über Politik, Kultur und Literatur des Orients. Er arbeitet später als Lehrer und Übersetzer in der Nähe Kairos.
Professor Gustav Weil
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Adolf Riedlin
Selbstbildnis Adolf Riedlin
A.Riedlin: Mahnmal für die Kriegsopfer
Der Maler Adolf Riedlin wurde am 3.April 1892 in Laufen als Sohn einer alten Laufener Bauern- und Winzerfamilie geboren. Nach der Schule absolvierte er zunächst eine handwerkliche Ausbildung als Maler in Freiburg. Ab 1911 besuchte er die Kunstgewerbeschule in Karlsruhe. 1912/13 zwei Semester an der  Großherzoglich Badischen Kunstakademie als Schüler von Professor Walter Georgi. Danach arbeitete Adolf Riedlin selbständig als Kirchenmaler.1914 wurde dies durch den ersten Weltkrieg jäh beendet. Adolf Riedlin wurde Soldat und erlitt bereits im September eine schwere Verletzung. 1915 wurde er zum Offizierskursus abkommandiert und danach Leutnant. Bis zum Kriegsende kam er wieder zum Fronteinsatz.

Nach Wiederaufnahme des Studiums wollte sich Riedlin modernen Kunstrichtungen öffnen. 1919-1920 studierte er an der Stuttgarter Kunstakademie als Schüler von Professor Adolf Hoelzel, der heute als einer der Wegbereiter in der Entwicklung der abstrakten Malerei gilt. Riedlin sucht den Weg zu diesem Malstil - zur absoluten Malerei.

Auseinandersetzung mit bäuerlichen und dörflichen Themen. Höhepunkt:“Markgräflerinnen” von 1923. Riedlin malt ein Thema losgelöst von allem Naturalismus. 1924 ist Riedlin in Baden-Baden als Portrait-Maler  tätig. 1926-27 kehrt er nach Laufen zurück, zum Broterwerb in der elterlichen Landwirtschaft.
In diese Zeit fallen auch  sein Selbstbildnis (Familienbesitz, Bild rechts) und die Entstehung des Mahnmals für die Kriegsopfer seiner Heimatgemeinde. (Bild rechts)

1928 folgt ein fünfmonatiger Studienaufenthalt in Paris - Inspiration für neue Werke. Auseinandersetzung mit dem Surrealismus (Ölbilder). 1931 Ausstellung mit der Künstlergruppe “Badische Secession”, der er bis zu deren Verbot (1936) durch die Reichskammer der bildenden Künste angehörte. 1930 -1932 wohnte Riedlin in Basel, danach wieder in Laufen. Mehrere sehr ruhige Bauernbilder wie “Abend auf dem Kartoffelacker” von 1932.  Ab 1937 wohnt Riedlin in Freiburg, wo er bis zu seinem Tod 1969 lebte.

In einer Beschlagnahmeaktion “entarteter Kunst” im Herbst 1937 im Augustinermuseum  Freiburg wurden insgesamt fünf Bilder Riedlins beschlagnahmt und nach Berlin abtransportiert.
Zu Beginn der 30-er Jahre entstanden zahlreiche oft großformatige Gemälde, die sich mit dem Thema “Krieg” auseinandersetzten. Auch entstanden in dieser Zeit einige Wandfresken.
Ab 1940 war Adolf Riedlin wieder zum Kriegsdienst eingezogen, zunächst an der Westfront, dann aber beim Vormarsch auf Stalingrad. 1944 heiratete er zum zweiten Mal und geriet 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft.
A.Riedlin: Holzfäller
A.Riedlin: Holzfäller im Winter
A.Riedlin: Ernte
A.Riedlin: Im Herbst
Etwa ab 1947 begann Riedlin wieder mit ungegenständlichen Kompositionen. Aber auch sehr viele monumental wirkende Bauernbilder, so auch die Jahreszeitenbilder für seine Heimatgemeinde Laufen. Auch bei diesen Bildern lässt sich eine konsequente Reduktion feststellen: Riedlin zeigt, dass auch das Figürliche umstrukturiert werden kann, um so eine tiefere Wirklichkeit zu erfassen. Adolf Riedlin bewältigt in den 50-er Jahren zahlreiche Wandbildaufträge: “Frau Holle Fresko” in Littenweiler, für das Regierungspräsidium in Freiburg, die Schule in Buggingen, die Lortzing- Schule in Freiburg, die Wenziger Schule in Ehrenstetten, die Handelsschule in Müllheim, die Grundschule in Eschbach, das Vermessungsamt in Kehl, die Neumattenschule in Lörrach, die Schule in Laufen und für die Winzergenossenschaft in Laufen. “

"Riedlins künstlerische Bedeutung in der badischen Kunstgeschichte verteilt sich auf sein gegenständliches und abstraktes Werk ... Als abstraktem Künstler kommt Riedlin eine besondere Bedeutung zu, er war ... einer der ersten ungegenständlich arbeitenden Künstler in Baden." (Antje Lechleiter MA, Dissertation über Adolf Riedlin)
A.Riedlin: Im Hohlenberg
Mrakgräflerinnen
Altenberg
Grabstätte Adolf Riedlin

Am 9.September 1969 starb Adolf Riedlin in Freiburg.
Er liegt auf dem Friedhof in Laufen begraben.

Zahlreiche Bilder Adolf Riedlins befinden sich im “Augustinermuseum” in Freiburg im Breisgau,
im “Museum am Burghof” in Lörrach
und im Privatbesitz.



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